Seriöse 24-Stunden-Betreuung erkennen: 7 Merkmale

Vertrag, A1-Bescheinigung, Kosten und Betreuungskraft – worauf Familien vor einer Vermittlung achten sollten

Wer für einen Angehörigen eine Betreuung zu Hause sucht, findet im Internet zahlreiche Anbieter für sogenannte „24-Stunden-Pflege“ oder „24-Stunden-Betreuung“.

Für Familien ist dabei oft schwer einzuschätzen, welcher Anbieter seriös arbeitet und welche Angebote genauer geprüft werden sollten.

Ein einzelnes Gütesiegel oder ein besonders günstiger Preis reicht für diese Entscheidung nicht aus. Wichtiger ist, wie transparent ein Anbieter über Beschäftigungsmodell, Kosten, Betreuungskräfte, Arbeitsbedingungen und seine eigene Rolle informiert.

Das Wichtigste auf einen Blick

Bei einem seriösen Angebot sollte für die Familie nachvollziehbar sein:

  • wer Vertragspartner ist
  • wer Arbeitgeber der Betreuungskraft ist
  • welches Beschäftigungsmodell verwendet wird
  • welche Kosten tatsächlich entstehen
  • welche Leistungen vereinbart sind
  • wie Arbeits- und Erholungszeiten berücksichtigt werden
  • wie die Betreuungskraft ausgewählt wird
  • wer bei Problemen erreichbar ist

Bei einer Entsendung aus einem anderen europäischen Staat spielt außerdem die A1-Bescheinigung eine wichtige Rolle.

Vorsicht ist insbesondere bei Angeboten angebracht, die eine einzelne Betreuungskraft als rund um die Uhr verfügbare Arbeitskraft darstellen oder wesentliche Kosten und Vertragsbedingungen erst spät offenlegen.

Gibt es einen aktuellen Testsieger?

Viele Familien suchen im Internet nach Begriffen wie „24-Stunden-Pflege Testsieger“.

Der bekannte Test der Stiftung Warentest zu Vermittlungsagenturen für osteuropäische Betreuungskräfte stammt jedoch bereits aus dem Jahr 2017.

Damals wurden 13 bundesweit tätige Vermittlungsagenturen untersucht. Stiftung Warentest kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass bei allen untersuchten Anbietern Mängel in den Verträgen festgestellt wurden.

Seitdem haben sich sowohl der Markt als auch wichtige rechtliche Rahmenbedingungen weiterentwickelt.

Ein bekanntes Beispiel ist das Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2021 zur Vergütung von Bereitschaftszeiten ausländischer Betreuungskräfte.

Ein Testergebnis aus dem Jahr 2017 sollte deshalb heute nicht allein darüber entscheiden, welcher Anbieter für eine Familie geeignet ist.

Viel aussagekräftiger ist die Frage:

Wie transparent und nachvollziehbar arbeitet der Anbieter heute?

Merkmal 1: Das Beschäftigungsmodell wird verständlich erklärt

Familien sollten vor Vertragsabschluss wissen, in welchem Modell die Betreuungskraft nach Deutschland kommt.

Bei einem Entsendemodell ist die Betreuungskraft beispielsweise bei einem Unternehmen im europäischen Ausland beschäftigt und wird für einen begrenzten Zeitraum nach Deutschland entsandt.

Wichtig ist, dass klar erkennbar ist:

  • welches Unternehmen Arbeitgeber ist
  • mit wem die Familie einen Vertrag abschließt
  • welche Rolle die deutsche Vermittlungsagentur übernimmt
  • wer für Arbeitsverhältnis und Entlohnung verantwortlich ist
  • an wen sich die Familie bei Problemen wenden kann

Ausweichende oder widersprüchliche Antworten auf diese Fragen sind ein Warnsignal.

Merkmal 2: Bei einer Entsendung gibt es eine A1-Bescheinigung

Bei einer Entsendung innerhalb Europas ist die A1-Bescheinigung ein wichtiges Dokument.

Sie bestätigt, welchem Sozialversicherungssystem die entsandte Person während des Einsatzes unterliegt.

Die A1-Bescheinigung wird vom zuständigen Sozialversicherungsträger des jeweiligen Landes ausgestellt.

Wichtig ist allerdings:

Eine A1-Bescheinigung allein beweist nicht, dass automatisch sämtliche rechtlichen Voraussetzungen eines Betreuungseinsatzes erfüllt sind.

Sie ist vielmehr ein wichtiger Nachweis für die sozialversicherungsrechtliche Zuordnung der entsandten Betreuungskraft.

Ein seriöser Anbieter sollte erklären können, wie mit der A1-Bescheinigung umgegangen wird.

Merkmal 3: Die Kosten sind vor Vertragsabschluss nachvollziehbar

Familien sollten wissen, welche Kosten auf sie zukommen, bevor sie einen Vertrag unterschreiben.

Dazu gehören nicht nur monatliche Betreuungskosten.

Je nach Anbieter und Modell können beispielsweise zusätzlich relevant sein:

  • An- und Abreisekosten
  • Zuschläge
  • Wechselkosten
  • Feiertagsregelungen
  • Vermittlungs- oder Servicekosten
  • Kündigungsfristen

Ein vermeintlich besonders niedriger Einstiegspreis hilft wenig, wenn später zahlreiche Zusatzkosten hinzukommen.

Bei ungewöhnlich günstigen Angeboten lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf das Beschäftigungsmodell und die tatsächlichen Arbeitsbedingungen.

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt in Deutschland seit dem 1. Januar 2026 13,90 Euro brutto pro Stunde.

Das Bundesarbeitsgericht hat außerdem entschieden, dass bei nach Deutschland entsandten ausländischen Betreuungskräften auch vergütungspflichtige Bereitschaftszeiten dem gesetzlichen Mindestlohn unterliegen können.

Weitere Informationen zu den Kosten finden Sie in unserem Beitrag „24-Stunden-Pflege 2026: Kosten im Überblick“.

Merkmal 4: Niemand verspricht 24 Stunden Arbeit durch eine Person

Der Begriff „24-Stunden-Pflege“ ist zwar weit verbreitet, beschreibt aber keine zulässige Arbeitszeit von 24 Stunden am Tag.

Eine Betreuungskraft benötigt ebenso wie andere Beschäftigte Arbeitsunterbrechungen, Erholung und echte Freizeit.

Deshalb sollte ein Anbieter nicht versprechen:

„Ihre Betreuungskraft ist rund um die Uhr für Sie im Einsatz.“

Wichtig ist vielmehr, bereits vor Beginn der Betreuung zu klären, wie hoch der tatsächliche Unterstützungsbedarf ist.

Besonders relevant sind dabei Fragen wie:

  • Wird regelmäßig nachts Hilfe benötigt?
  • Wie häufig muss die betreute Person unterstützt werden?
  • Gibt es medizinische Aufgaben?
  • Können Angehörige bestimmte Zeiten übernehmen?
  • Ist zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst erforderlich?

Mehr über die Aufgaben und Grenzen einer Betreuungskraft erklären wir im Beitrag „24-Stunden-Betreuung: Was Betreuungskräfte dürfen“.

Merkmal 5: Der tatsächliche Betreuungsbedarf wird vorher geklärt

Eine gute Vermittlung beginnt nicht erst mit der Suche nach irgendeiner verfügbaren Betreuungskraft.

Zunächst sollte möglichst genau geklärt werden, welche Unterstützung tatsächlich benötigt wird.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Mobilität
  • Körperpflege
  • Haushaltsführung
  • Orientierung und Demenz
  • nächtlicher Unterstützungsbedarf
  • Tagesstruktur
  • Ernährung
  • Sprachkenntnisse
  • persönliche Gewohnheiten
  • Wohnsituation
  • vorhandene Haustiere

Je genauer diese Informationen erfasst werden, desto besser kann eine Betreuungskraft ausgewählt werden, die tatsächlich zur Situation passt.

Ein persönliches Gespräch und – wenn sinnvoll – eine Beratung vor Ort können dabei besonders hilfreich sein.

Merkmal 6: Die Familie weiß vorher, wer kommt

Eine Betreuungskraft lebt häufig mehrere Wochen mit der betreuten Person unter einem Dach.

Deshalb spielt nicht nur die fachliche Eignung eine Rolle.

Auch Persönlichkeit, Erfahrung, Sprachkenntnisse und gegenseitige Sympathie sind wichtig.

Vor Beginn des Einsatzes sollte die Familie deshalb möglichst Informationen über die vorgeschlagene Betreuungskraft erhalten.

Dabei können beispielsweise relevant sein:

  • bisherige Erfahrungen
  • Deutschkenntnisse
  • persönliche Angaben
  • besondere Fähigkeiten
  • Erfahrung mit bestimmten Betreuungssituationen

Auch sollte geklärt sein, was passiert, wenn eine vorgeschlagene Betreuungskraft nicht zur Familie passt.

Merkmal 7: Es gibt einen festen Ansprechpartner

Eine Vermittlung endet nicht mit der Anreise der Betreuungskraft.

Gerade während eines laufenden Einsatzes können Fragen entstehen.

Zum Beispiel:

  • Die Betreuungssituation verändert sich.
  • Die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt nicht.
  • Ein Wechsel steht bevor.
  • Die Betreuungskraft wird krank.
  • Der Unterstützungsbedarf nimmt zu.
  • Es gibt Missverständnisse im Alltag.

Deshalb ist eine erreichbare und feste Ansprechperson ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Familien sollten vor Vertragsabschluss wissen, wer sich kümmert, wenn etwas nicht wie geplant läuft.

Welche Warnzeichen sollten Familien ernst nehmen?

Nicht jedes ungewöhnliche Angebot ist automatisch unseriös. Einige Punkte sollten aber zumindest genauer hinterfragt werden.

Dazu gehören:

  • extrem niedrige Preise ohne nachvollziehbare Erklärung
  • unklare oder wechselnde Vertragspartner
  • keine klare Aussage zum Arbeitgeber der Betreuungskraft
  • keine nachvollziehbaren Informationen zur A1-Bescheinigung bei Entsendung
  • Versprechen einer Betreuung oder Pflege rund um die Uhr durch eine einzelne Person
  • keine Informationen zu Arbeits- und Erholungszeiten
  • hohe Vorauszahlungen ohne nachvollziehbaren Grund
  • schwer verständliche Kostenstrukturen
  • Druck, den Vertrag möglichst sofort zu unterschreiben
  • keine feste Ansprechperson nach Beginn der Betreuung

Seriöse Beratung sollte Familien genügend Zeit geben, Vertragsbedingungen zu verstehen und offene Fragen zu stellen.

Diese Fragen sollten Sie im ersten Gespräch stellen

Ein erstes Beratungsgespräch eignet sich sehr gut, um die Arbeitsweise eines Anbieters einzuschätzen.

Fragen Sie beispielsweise:

Welches Beschäftigungsmodell nutzen Sie?

Wer ist Arbeitgeber der Betreuungskraft?

Wer sind meine Vertragspartner?

Wie wird die A1-Bescheinigung bei einer Entsendung geregelt?

Welche Kosten entstehen insgesamt?

Gibt es zusätzliche Reise-, Feiertags- oder Wechselkosten?

Wie wählen Sie die Betreuungskraft aus?

Welche Informationen erhalte ich vor ihrer Anreise?

Was passiert, wenn die Betreuungskraft nicht zur Familie passt?

Wie werden Arbeits- und Erholungszeiten berücksichtigt?

Wer ist während des laufenden Einsatzes meine Ansprechperson?

Was passiert bei Krankheit oder einem notwendigen Wechsel?

Wer auf diese Fragen klare und nachvollziehbare Antworten erhält, kann ein Angebot wesentlich besser einschätzen.

Eine Checkliste hilft beim Vergleich

Gerade wenn mehrere Anbieter miteinander verglichen werden, verschwimmen Gespräche und Angebote schnell miteinander.

Deshalb kann es sinnvoll sein, vor jedem Beratungsgespräch dieselben Punkte zu notieren:

  • Beschäftigungsmodell
  • Arbeitgeber
  • Vertragspartner
  • A1-Bescheinigung
  • monatliche Gesamtkosten
  • mögliche Zusatzkosten
  • Kündigungsfrist
  • Arbeitszeitregelung
  • Auswahlverfahren
  • Profil der Betreuungskraft
  • Wechselregelung
  • Ansprechpartner

So lassen sich verschiedene Angebote wesentlich objektiver miteinander vergleichen.

Wie arbeitet Betreuung24 Ludwigsburg?

Betreuung24 Ludwigsburg ist eine Vermittlungsagentur für Seniorenbetreuung.

Vor einer Vermittlung besprechen wir mit Familien möglichst genau, wie die aktuelle Betreuungssituation aussieht und welche Unterstützung im Alltag tatsächlich benötigt wird.

Dabei geht es nicht nur darum, irgendeine verfügbare Betreuungskraft zu vermitteln.

Ziel ist eine Betreuungslösung, die möglichst gut zur betreuten Person, zu den Angehörigen und zur tatsächlichen Situation zu Hause passt.

Als persönlicher Ansprechpartner in Ludwigsburg begleite ich Familien von der ersten Beratung über die Vermittlung bis in den laufenden Betreuungseinsatz.

Betreuung24 Ludwigsburg ist kein ambulanter Pflegedienst und erbringt keine eigenen medizinischen Pflegeleistungen.

Wenn Sie prüfen möchten, ob eine Betreuung in häuslicher Gemeinschaft für Ihre Familie infrage kommt, können Sie zunächst unverbindlich einen Beratungstermin vereinbaren.

Quellen: Stiftung Warentest, „Pflege: Betreuungskraft aus Osteuropa – die besten Vermittler“, 23.05.2017; Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 24.06.2021 – 5 AZR 505/20; Europäische Union, A1-Bescheinigung und Sozialversicherung bei Entsendung; Bundesregierung, gesetzlicher Mindestlohn 2026.

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